„Unsere erfolgreiche Arbeit des Jahres 2024 setzen wir in den nächsten Jahren mit voller Kraft fort: Angesichts der enormen Herausforderungen unserer Zeit setzen wir und setzt acatech alles daran, Politik und Gesellschaft wissenschaftlich fundiert zu beraten und die souveräne Gestaltung technologischen Wandels zu unterstützen. Wir meinen: Deutschland ist ein Land, das etwas kann. Darauf darf und kann unsere Gesellschaft zu Recht stolz sein. Darauf sollten wir gemeinsam aufbauen, um mit begründeter Zuversicht in die Zukunft zu gehen.“

Liebe Leserinnen und Leser,

herzlichen Dank, dass Sie mit uns auf die intensive Arbeit der Akademie im Jahr 2024 zurückblicken – ein Jahr, das von politischer Volatilität und wirtschaftlicher Stagnation geprägt war. Der Schlüssel zu Souveränität, Stabilität und Wohlstand liegt in der Gestaltung des Wandels und vor allem in nachhaltigem Wachstum durch Innovation. Mit STUDIEN, IMPULSEN, Handlungsempfehlungen sowie mit der Vernetzung relevanter Stakeholder und der Förderung innovativer Ökosysteme leistet die Akademie dazu ihren Beitrag. Schön, dass Sie uns auf unserem Rundgang durch unsere Programmbereiche, Projekte und Ergebnisse begleiten, über die Sie in den Kapiteln unseres Online-Jahresberichts mehr erfahren können.

Im Programmbereich „Energie und Ressourcen“ steht ESYS (Energiesysteme der Zukunft) für wissenschaftsbasierte Beratung über alle Energiesektoren hinweg durch die gemeinsame Initiative der Wissenschaftsakademien. 2024 befasste sich „Energie und Ressourcen“ mit vier Schwerpunktthemen: (1) Die ESYS-Experten untersuchten Optionen für das Management von Kohlendioxid – also der Abscheidung, Speicherung und Nutzung unvermeidbarer Emissionen. (2) Mit einem viel beachteten ESYS-Impuls wurde auf die künftige Rolle von Grundlastkraftwerken in den Energiesystemen von morgen geblickt. (3) Die Kernfusion beleuchtete „Energie und Ressourcen“ aus zwei Perspektiven: ESYS fasste Grundlagen und Perspektiven prägnant zusammen, während ein acatech IMPULS Optionen für ein Innovationsökosystem Kernfusion in Deutschland skizziert. (4) Dem Zukunftsthema Geothermie als vielversprechender Energiequelle für Ballungsräume haben wir eine ausführliche STUDIE gewidmet. Auch unter einem gänzlich anderen thematischen Vorzeichen stehen Ballungsräume im Fokus von acatech: Unsere neue Initiative Bauen und Wohnen erarbeitet technikwissenschaftliche Ansätze für bezahlbaren Wohnraum und zukunftsfähige Städte.

Der Umbau der Energieversorgung ist eng mit dem Wandel in Mobilität und Logistik verknüpft. Mit dem jährlichen Mobilitätsmonitor, einer repräsentativen Allensbach-Umfrage im Auftrag von acatech, erheben wir Einstellungen der Bevölkerung zu den Entwicklungen und technologischen Optionen des Mobilitätssystems. Im ReMIX-Projekt gehen wir der Frage nach, wie sich datenbasierte Mobilitätsinnovationen verantwortungsvoll gestalten lassen. Der erste Arbeitsschwerpunkt unserer ebenfalls 2024 eingerichteten Innovationsplattform Bayern führt in den Weltraum: Wir analysieren aktuell, wie an den Schnittstellen zwischen Raumfahrt und terrestrischen Industriebranchen neue Innovationsdynamik entfacht werden kann.

Die Digitale Transformation bildete einen wichtigen Schwerpunkt unserer Arbeit bei acatech: Als Schlüsselinnovation eröffnet sie in verschiedensten Bereichen Fortschritte. Unsere KI-Plattform Lernende Systeme fördert den Dialog über Künstliche Intelligenz und entwickelt Gestaltungsoptionen. Im Wahljahr 2024 untersuchte sie etwa den Einfluss von KI auf demokratische Gesellschaften. Der von acatech koordinierte Forschungsbeirat Industrie 4.0 erarbeitete eine langfristige Engineering-Roadmap. Sie zielt darauf ab, thematische und zeitliche Impulse zu setzen, um das Systems Engineering auf die geänderten Anforderungen vernetzter, automatisierter und autonomer Systeme vorzubereiten. Die neue Reihe „Industrie 4.0 Forschung in Kürze“ gibt zudem kompakte Übersichten über die Umsetzung von Industrie 4.0, den Einsatz neuer Technologien und deren Auswirkungen auf Organisationen und Beschäftigte. Ob und in welchem Maße Open-Source-Designsoftware für Chipdesign ganz neue Türen zu mehr technologischer Souveränität öffnen kann – mit diesen Fragen hat sich das Projekt Quelloffene Designinstrumente für souveräne Chipentwicklung (QDISC) beschäftigt. Erfolgreiche Beispiele des Advanced Systems Engineering und eine Analyse des KI-Standorts Baden-Württemberg rundeten unsere Arbeiten zur digitalen Transformation ab.

Ein Beispiel technologiegetriebener Transformation des Wirtschaftsstandorts beschreibt der Begriff „Circular Economy“: Diese schließt Wertschöpfungsketten zu Kreisläufen und senkt dadurch systemisch Rohstoffverbrauch, Emissionen, Kosten und kritische Abhängigkeiten. Dies wird aber erst durch die Nutzung intelligenter Technologien ermöglicht. In diesem Zusammenhang haben wir uns 2024 intensiv in den Dialog rund um eine Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie eingebracht. Mit dem Konzept eines digitalen Batteriepasses schufen wir gemeinsam mit Partnern eine Grundlage für die Zirkularität von Batterien: Der Batteriepass liefert die notwendigen Informationen über Zustand, Bauweise und Nutzung des Energiespeichers. Unser Konzept ist damit die Blaupause für digitale Produktpässe generell, die wiederum der digitale Enabler einer effizienten Kreislaufwirtschaft sind. Solchen digitalen Enablern haben wir eine systematische STUDIE gewidmet. Auch die Arbeit und ihre Organisation befinden sich in einer Phase der Transformation: Der HR-Kreis von acatech begleitet diesen Wandel schon seit längerer Zeit und setzte 2024 einen Schwerpunkt auf den Einfluss von KI in der Arbeitswelt.

Rahmenbedingungen für Innovation bestimmen die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Sie standen im Mittelpunkt der Treffen im Zukunftsrat des Bundeskanzlers, die acatech auch 2024 inhaltlich vorbereitet und koordiniert hat. In der Studienreihe Innovationssystem Deutschland zeigen wir Schwachpunkte und Handlungsfelder im deutschen Innovationssystem auf: 2024 lag der Fokus dabei auf Wegen zu effizienteren und agileren Verwaltungsprozessen. Eine andere Voraussetzung für Innovation liegt in der Technikbildung unserer Gesellschaft, deren Grundstein in den Schulen gelegt wird. Unser MINT Nachwuchsbarometer offenbarte besorgniserregende Leistungsrückstände der Schülerinnen und Schüler, insbesondere im Fach Mathematik.

Unsere stärker auf Umsetzung ausgerichteten Initiativen fördern den Übergang von Forschung und Entwicklung zur Anwendung in Wirtschaft und öffentlichem Sektor – denn genau hier zeigt das deutsche Innovationssystem eine notorische Schwäche. In unserem Projekt MISSION KI haben wir deshalb einen Schwerpunkt auf die Etablierung von Datenräumen gelegt, da Bereitstellung und Zugang zu Daten zentrale Voraussetzungen für den wertschöpfenden Einsatz von KI-Systemen sind. Zur Unterstützung von umsetzungsorientierten Initiativen hat acatech im Oktober 2024 mit der Gründung der rechtlich eigenständig operierenden acatech Stiftung eine strukturelle Weiterentwicklung auf den Weg gebracht. So ziehen wir eine klare Trennlinie zwischen wissenschaftsbasierter Akademiearbeit – mit ihrem Fokus auf der unabhängigen Beratung von Politik und Gesellschaft – und umsetzungsfokussierten Vorhaben.

Technik wirkt in die Gesellschaft – und die Gesellschaft wirkt auf die Gestaltung, Anwendung und Entwicklung von Technik. Im Kapitel Gesellschaft und Dialog berichten wir über Erkenntnisse und Aktivitäten von acatech in diesem Feld. Was denken die Deutschen über Technik? Antworten liefert das TechnikRadar mit repräsentativenBevölkerungsumfragen. 2024 haben wir diese im Zeitvergleich analysiert – und überraschende Unterschiede zwischen Altersgruppen aufgedeckt. Vom Erkennen zum Machen führen uns offene Dialogveranstaltungen: In unserer Reihe acatech am Dienstag laden wir regelmäßig dazu ein und entwickeln mit Partnern neue Dialogformate. So entstand 2024 beispielsweise das erfolgreiche Format „TechTalk 28/4“, das wir gemeinsam mit der Münchner Volkshochschule und der Mediengruppe Münchner Merkur, tz entwickelt haben.

acatech stärkt als internationale Stimme der Technikwissenschaften die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Unser Büro in Brüssel dient dabei als Anlaufstelle auf EU-Ebene. acatech bringt sich dabei in die wissenschaftsbasierte Technikberatung der EU-Kommission ein. Besonders engagieren wir uns in den Akademienverbünden Euro-CASE (Europa) und CAETS (weltweit). Im nächsten Jahr werden wir im Zuge der rotierenden Präsidentschaft dem Verbund CAETS vorstehen und die weltweiten Partnerakademien zur CAETS-Jahresveranstaltung in München willkommen heißen. Zudem vertiefen wir die internationale Zusammenarbeit über bilaterale Partnerschaften mit Akademien rund um den Globus.

Das Jahr 2024 brachte erneut zahlreiche Fortschritte unserer Arbeit und deshalb auch eine dynamische Entwicklung von acatech. 25 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wurden 2024 in den Kreis der acatech Mitglieder gewählt und stärken so die technikwissenschaftliche Fundierung unserer Politik- und Gesellschaftsberatung. Der Senat von acatech, in dem unsere Mitgliedsunternehmen organisiert sind, engagierte sich ebenfalls intensiv – in Themennetzen und Arbeitsgruppen der Akademie oder auf seiner Veranstaltung „zu Gast bei IBM“ und im Münchner Maximilianeum. Unsere wissenschaftlichen Mitglieder, die Senatorinnen und Senatoren und die vielen Fachexpertinnen und -experten in unseren Arbeitsgruppen, Plattformen und Initiativen bringen sich ehrenamtlich bei acatech ein. Bei ihnen allen möchten wir uns für ihre wertvolle Unterstützung und Beiträge von Herzen bedanken.

Besonders danken wir an dieser Stelle Jan Wörner, der als wissenschaftlicher Präsident die Entwicklung unserer Akademie mit großem Einsatz kraftvoll gestaltet und sehr erfolgreich vorangebracht hat. Mit Ablauf seiner Amtszeit wechselte die Präsidentschaft zum 1. Juli 2025 auf Claudia Eckert.

Unsere erfolgreiche Arbeit des Jahres 2024 setzen wir in den nächsten Jahren mit voller Kraft fort: Angesichts der enormen Herausforderungen unserer Zeit setzen wir und setzt acatech alles daran, Politik und Gesellschaft wissenschaftlich fundiert zu beraten und die souveräne Gestaltung technologischen Wandels zu unterstützen. Wir meinen: Deutschland ist ein Land, das etwas kann. Darauf darf und kann unsere Gesellschaft zu Recht stolz sein. Darauf sollten wir gemeinsam aufbauen, um mit begründeter Zuversicht in die Zukunft zu gehen.

Ihre acatech Präsidentin und Ihr acatech Präsident

Prof. Dr. Claudia Eckert

Prof. Dr.-Ing. Thomas Weber