Globale Treiber der Transformation bringen für den Wirtschaftsstandort Deutschland grundlegende Veränderung: Die KI und digitale Vernetzung verändern Prozesse, Geschäftsmodelle, Märkte und Wettbewerbspositionen. Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsziele werden ebenso nur durch einen systemischen Wandel erfüllbar. Neue Anforderungen an Arbeitsorganisation, aber auch an Berufsprofile, Kompetenzen und Rollen in der Arbeitswelt folgen daraus. Der Aufbau souveräner, resilienter und umfassend zirkulärer Wertschöpfungsnetzwerke weist Wege aus linearen Wertschöpfungsketten – erfordert aber ein systematisches Vorgehen. Projekte und Initiativen von acatech unterstützen diese Transformation – durch Beratung, Vernetzung, aber auch transferorientierte Vorhaben.

Kreislaufwirtschaft ganzheitlich gestalten

Der Aufbau einer Circular Economy braucht eine ganzheitliche Strategie, um Stoffkreisläufe effektiv zu schließen. acatech hat sich intensiv in die Erarbeitung einer Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie eingebracht und in der Allianz für Transformation mitgewirkt. Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie setzt die Circular Economy nun auf die öffentliche Agenda und definiert strategische Handlungsfelder für die Umsetzung. Die Akademie konnte dabei auf Erkenntnisse aus Vorhaben wie der Circular Economy Initiative und dem Konsortialprojekt Battery Pass aufbauen – diese können als wichtige Grundlage für einen integrativen und ganzheitlichen Ansatz einer Kreislaufwirtschaft dienen und den Aufbau effektiv unterstützen.

Ein besonderer Schwerpunkt der Beratung durch acatech lag dabei auf dem Bausektor und der Batteriewirtschaft. Aktuell entfallen auf den Gebäudesektor weltweit rund 60 Prozent des Ressourcenverbrauchs und mehr als 50 Prozent der Emissionen klimaschädlicher Gase. Hinzu kommen über 35 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs. Batterien erhalten in der Elektromobilität, aber auch als Speicher in erneuerbaren Energiesystemen eine Schlüsselrolle: Mit einem zirkulären Ansatz für Design, Produktion, Nutzung und Wiedernutzung lässt sich der Verbrauch wertvoller Rohstoffe und Materialien reduzieren die Souveränität in der Rohstoffversorgung stärken.

Bundeskanzler a. D. Olaf Scholz und acatech Präsident Thomas Weber beim 4. Spitzengespräch der Allianz für Transformation im Bundeskanzleramt. © Sandra Steins / Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Bundeskanzler a. D. Olaf Scholz beim 4. Treffen der Allianz für Transformation / gemeinsame Pressekonferenz mit Yasmin Fahimi, Vorsitzende DGB, Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin BDI, Kai Niebert, Präsident Deutscher Naturschutzring, Thomas Weber, Präsident acatech. © Sandra Steins / Presse-und Informationsamt der Bundesregierung

Batteriepass: Bereit für den Schritt in die Umsetzung eines zirkulären Batterie-Ökosystems

Für den Ausbau klimafreundlicher Mobilität spielt Elektromobilität eine zentrale Rolle. Der acatech Mobilitätsmonitor 2024 hat ein erstarktes Interesse der Bevölkerung an Elektrofahrzeugen gezeigt. Klar ist, dass der Bedarf an Lithium-Ionen-Batterien in Deutschland sowie weltweit massiv steigen wird. Deren Produktion ist kosten- und energieintensiv und erfordert wertvolle Rohstoffe – gute Gründe, um auf eine möglichst lange Lebensdauer und zirkuläre Produktionsprozesse zu setzen.

Der digitale Batteriepass schafft dafür die Grundlage: Akteure erhalten mit dem digitalen Produktpass die benötigte Transparenz entlang der gesamten Batteriewertschöpfungskette, um Ressourcen zu schonen und neue zirkuläre Geschäftsmodelle aufzubauen. Den inhaltlichen Leitfaden (Content Guidance) konnte das Konsortialprojekt um einen eigenen Standard erweitern: DIN DKE SPEC 99100 definiert die Anforderungen an Datenattribute des Batteriepasses und unterstützt Akteure, den Batteriepass umzusetzen.

Dem inhaltlichen Leitfaden konnte ein technischer Leitfaden zur Seite gestellt werden. Mit diesem erhalten Anwendende ein Rahmenwerk und Empfehlungen für die technische Umsetzung des 2027 verpflichtenden EU-Batteriepasses. Der zusätzlich vorgestellte Software-Demonstrator erlaubt es außerdem, Konzept und Funktion des Batteriepasses zu testen und die technische Machbarkeit zu prüfen.

Ein weiterer Meilenstein des Batterypass-Projekts markiert das Value Assessment: Erstmals lassen sich damit die Mehrwerte des Batteriepasses quantifizieren. Dazu zählen verbesserte Verwertungsquoten oder auch Einsparpotenziale bei CO2-Emissionen. Zudem zeigt das Value Assessment, wie sehr sich die Kosten für technische Tests, Vorverarbeitung und Aufbereitung verringern lassen. Nun ist der Batteriepass bereit für die nächste Umsetzungsphase und kann als Blaupause ähnliche digitale Produktpässe in anderen Wirtschaftssektoren dienen.

Der BatteryPass-Demonstrator macht in detaillierter Weise die Mehrwerte des Batteriepasses entlang der Batterie-Wertschöpfungskette nachvollziehbar. © acatech

acatech Präsident Thomas Weber am BatteryPass-Demonstrator auf der Hannover Messe 2024. © acatech

Kreislaufwirtschaft digital auf Touren

Der Umstieg von linearem auf zirkuläres Wirtschaften kommt zögerlich voran: Ganze sieben Prozent der weltweit eingesetzten Rohstoffe sind Sekundärrohstoffe – Deutschland kommt aktuell auf 13 Prozent. Es gilt also, an den Grundlagen anzusetzen. Eine liegt im durchgehenden Informationsaustausch entlang der gesamten Wertschöpfungskette und über alle Akteure hinweg. Digitale Anwendungen können dafür eine Schlüsselrolle übernehmen, dies macht die acatech STUDIE Digitale Enabler der Kreislaufwirtschaft deutlich.

Wachstum und Ressourcenverbrauch lassen sich entkoppeln, wenn wir statt der linearen Logik des Produzierens, Konsumierens und Entsorgens einen systemischen Ansatz für eine Kreislaufwirtschaft verwirklichen. Digitale Technologien geben uns dafür die Werkzeuge an die Hand. Nur sie ermöglichen den nötigen Informationsaustausch, auf dessen Grundlage neue zirkuläre Geschäftsmodelle entstehen können.

Christoph M. Schmidt, acatech Vizepräsident

T-Shirt, Waschmaschine, Haus

Drei Wirtschaftssektoren und drei Produkte mit unterschiedlich langen Lebenszyklen: Entlang der Beispiele T-Shirt (Textil), Waschmaschine (Elektronik) und Einfamilienhaus (Bau) identifiziert die Studie, welche digitalen Enabler in den Sektoren besonders wirkkräftig sind und wie sie am besten zusammenspielen.

Handlungsfelder und Digitale Enabler im Elektroniksektor, © acatech

Handlungsfelder und Digitale Enabler im Bausektor, © acatech

Handlungsfelder und Digitale Enabler im Textilsektor, © acatech

Deutlich wird, dass Digitale Produktpässe (DPP) und Datenräume eine zentrale Position einnehmen, da sie sektorübergreifend einsetzbar sind und nahezu überall ihre Vorteile ausspielen können: Sie geben Aufschluss über Eigenschaften, Verfügbarkeit, Zustand und Nutzung von Produkten, aber auch zu recyclingrelevanten Daten oder Informationen zur Bepreisung von Umweltkosten. Voraussetzung dafür sind interoperable Datenformate und Schnittstellen, damit Datenökosysteme wachsen und neue Geschäftsmodelle entstehen können.

acatech engagiert sich bei den maßgeblichen Enablern wie den digitalen Produktpässen und Datenräumen und orchestriert Plattform- und Konsortialprojekte. Es geht uns dabei um gemeinsame, skalierbare Lösungsstrategien für zirkuläres Wirtschaften, das unsere Rohstoffversorgung auf ein nachhaltiges, resilientes und souveränes Fundament stellen wird.

Thomas Weber, acatech Präsident

Aber digitale Tools anzuwenden, reicht nicht aus. Der Nutzen einer Anwendung, deren Energieverbrauch und die Umweltauswirkungen gilt es, in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen. Und dieses Verhältnis variiert bei den drei Anwendungsfällen sektorbedingt deutlich. So ist der Textilsektor stark von Produktion, Nutzungsintensität und -dauer gekennzeichnet. Aber auch Strukturen für Sammlung, Sortierung und Recycling textiler Materialien sind bestimmende Faktoren. Bei den Elektrogeräten ist eine längere und auch intensivere Nutzungsphase entscheidend. Im Bereich der Einfamilienhäuser entfalten digitale Tools bei Umbau und Sanierung ihr größtes Potenzial.

HR-Kreis: Wie gewinnen Menschen und Organisationen durch die Transformation der Arbeit?

Die Transformation in der Arbeitswelt ist stark geprägt von Digitalisierung und neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz (KI). Der HR-Kreis hat 2024 die Potenziale Künstlicher Intelligenz im Unternehmenseinsatz als Fokusthema definiert. Im Schlaglicht: die doppelte Rolle von Personalvorständen: Einerseits gilt es, KI in Unternehmen auszurollen, Menschen für den Einsatz zu befähigen und deren Mehrwerte zu vermitteln. Eine zweite Herausforderung liegt in der gezielten Weiterentwicklung der HR-Funktionen mit KI, um Bedarfe und Chancen frühzeitig zu erkennen und für die Zukunftssicherung einzusetzen. Die HR-Kreis-Debattenreihe #FutureWorkDebatte hat Impulse zu den unterschiedlichen Facetten dieses Schwerpunkts gesetzt – und zugleich den Horizont für Metathemen geöffnet, die mitgedacht werden müssen.

So setzte der um zehn neue wissenschaftliche Mitglieder erweiterte HR-Kreis neben den Potenzialen technologischer Entwicklungen wie generativer Künstlicher Intelligenz (KI) verstärkt Themen mit menschlichem Fokus auf die Agenda: Gemeinsam definierten die führenden Köpfe aus Personalwirtschaft, Wissenschaft und Sozialpartnerschaft, welche Metakompetenzen wichtig werden und was das für Belegschaft und Organisationsentwicklung bedeutet. Auch alternative Karrierewege abseits klassischer Managementkarrieren – sogenannte Fachkarrieren – wurden als Option erörtert, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen.

Zum HR-Kreis-Gipfeltreffen begrüßte Gastgeber und Präsidiumsmitglied Frank Riemensperger die Teilnehmenden bei SAP in Berlin. Im Mittelpunkt des Tages stand die Rolle von HR als Treiber der KI-Transformation in Organisationen. Aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchteten die Expertinnen und Experten Regulierungsdichte, Bildungs- und Fortbildungsqualität oder auch Teilhabe. Dabei wurde auch deutlich, welche Kompetenzen in Zukunft von HR und Belegschaft gefordert sein werden – und wie sie sich von Personal- und Organisationsverantwortlichen gezielt auf- und ausbauen lassen. Wichtig werden nicht nur Fachkompetenzen wie Programmierung und Entwicklung, Interaktions-Kompetenzen in Teams aus Mensch und KI, sondern auch komplementäre Kompetenzen wie kritisches Denken, Kreativität und Innovationsgeist.

acatech Präsident Thomas Weber, acatech Präsidiumsmitglied Frank Riemensperger und Simone Kauffeld (Professorin für Arbeits-, Organisations- und Sozialpsychologie, TU Braunschweig), © acatech/Doerthe Winter-Berke

Frank Werneke (Vorsitzender der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft) und Lilian Tschan (Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales), © acatech/Doerthe Winter-Berke

Teilnehmende des HR-Kreis-Gipfeltreffens, © acatech/Doerthe Winter-Berke

Yasmin Weiß (Professorin für Betriebswirtschaftslehre, TH Nürnberg), Julia Bangerth (Stellvertretende Vorstandsvorsitzende, COO & CHRO bei DATEV) und Stefan Latuski (CIO der Bundesagentur für Arbeit), © acatech/Doerthe Winter-Berke

Teilnehmende des HR-Kreis-Gipfeltreffens diskutieren im Workshop Rolle und Aufgaben künftiger CHROs. © acatech/Doerthe Winter-Berke