Mobilität ist ein Grundbedürfnis der Menschen und eine Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe und Lebensqualität. Logistik ist essenziell für Wohlstand und Versorgungssicherheit. Aber die Transformation macht auch vor dem Mobilitätssystem nicht halt: Umwelt- und klimapolitische Ziele, veränderte Lebens- und Arbeitswelten der Menschen und demografische Entwicklungen schaffen neue Anforderungen an technische Mobilitätslösungen und technologische Entwicklungen wie die digitale Vernetzung, Elektrifizierung und Automatisierung ermöglichen intelligentere Mobilitätsangebote. Nur, wenn diese passgenau auf die Bedürfnisse der Bevölkerung zugeschnitten sind und ihre Alltagstauglichkeit beweisen, werden sie von den der Gesellschaft mitgetragen – und die Transformation kann gelingen.
Mobilitätsmonitor 2024: Wie wandeln sich Mobilitätsverhalten und -einstellungen der Deutschen?

Der Mobilitätsmonitor erhebt jährlich das Mobilitätsverhalten der Deutschen und zeigt, wie sich Mobilitätsverhalten und -einstellungen im Laufe der Zeit verändern. Die Ausgabe 2024 belegt, dass die Deutschen es weiterhin für wichtig halten, den Klimawandel einzudämmen. Die Einschätzung, dass Maßnahmen im Energie- und Mobilitätssektor einen Beitrag zur Verringerung der Klimabelastung leisten können, teilen zum Zeitpunkt der Umfrage aber weniger Menschen als noch in den Vorjahren. Zwei Drittel der Befragten (62 Prozent) finden, dass der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs der größte Hebel ist, um die Klimabelastung im Verkehrssektor zu reduzieren.
Insgesamt wünschen sich die Deutschen eine Stärkung und Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur – vor allem das Schienennetz macht ihnen Sorgen: 65 Prozent sehen es in einem sehr schlechten oder schlechten Zustand – ein Anteil, der sich seit 2015 verdoppelt hat. Autobahnen werden dagegen deutlich positiver bewertet: für nur 28 Prozent sind diese in einem sehr schlechten oder schlechten Zustand. Schwächer schneidet das lokale Straßennetz ab: hier sehen 41 Prozent einen sehr schlechten oder schlechten Zustand.
Nach wie vor ist das Auto das wichtigste Verkehrsmittel der Deutschen: 76 Prozent der Autofahrenden nutzen es mehrmals in der Woche oder täglich – genauso wie im Jahr 2020. Entsprechend können mehr als drei Viertel von ihnen (78 Prozent) nicht auf das Auto verzichten.
Die Elektromobilität kämpft laut Studie weiter mit Vorbehalten: Nur 17 Prozent der Befragten ziehen in Erwägung, sich ein E-Auto anzuschaffen – ein neuer Tiefstwert. Bei der ersten Ausgabe der Studie im Jahr 2020 lag dieser Anteil noch bei 24 Prozent. Stabil sind dabei auch die Vorbehalte gegenüber der E-Mobilität: Wie schon 2022 halten 60 Prozent der Befragten die Reichweite von E-Autos für zu gering; ein gleich hoher Prozentsatz stellt damals wie heute in Frage, ob Elektroautos wirklich umweltfreundlicher sind.
Der Mobilitätsmonitor 2024 zeigt deutlich, dass viele Menschen in Deutschland beim Thema E-Mobilität noch weitere Informationen benötigen. Fast die Hälfte der Befragten traute sich bei der Frage nach der geschätzten Ladezeit eines E-Autos keine Angabe zu. Auch Fortschritte bei der Ladeinfrastruktur und Reichweite werden von der Bevölkerung scheinbar nicht wahrgenommen. Wir brauchen hier dringend weitere gemeinsame Anstrengungen, um den Menschen das Wissen für eine fundierte Meinungsbildung zur Verfügung zu stellen.
Thomas Weber, acatech Präsident
ReMIX: Urbane Mobilität verantwortungsvoll und alltagstauglich gestalten

Technologische Innovationen ermöglichen neue, praxisnahe Mobilitätslösungen. Zu diesen Innovationen gehören digitale Datenräume, vernetzte Infrastrukturen oder autonome Systeme. Damit sie ihre volle Wirkkraft entfalten können, braucht es aber die richtigen Voraussetzungen: Dazu zählen regulatorische Rahmenbedingungen, organisatorische Strukturen und ein lebendiger gesellschaftlicher Dialog. Das 2024 gestartete Projekt ReMIX geht der Frage nach, wie sich datenbasierte Innovationen verantwortungsvoll gestalten und sozial und ökologisch nachhaltig in urbane Kontexte integrieren lassen. Um den regulatorischen, organisatorischen und politischen Anforderungen der Mobilitätswende erfolgreich zu begegnen, verfolgt das Projekt einen interdisziplinären Ansatz. Dafür fließen Impulse aus kommunalen Verwaltungen, Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Akteuren im MCube-Cluster in die Projektarbeit ein. Das Ziel: Technische und gesellschaftliche Herausforderungen zu meistern, Konflikte und ethische Spannungsfelder frühzeitig zu erkennen und zu adressieren sowie neue Wege der Governance und des Experimentierens aufzuzeigen.
ReMIX vereint als Konsortialprojekt die Expertise aus der Professur für Innovationsforschung (Sebastian Pfotenhauer) und dem Lehrstuhl für Umwelt- und Klimapolitik (Miranda Schreurs) der Technischen Universität München, dem Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München sowie acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften. ReMIX ist eines der neun Projekte der zweiten Förderphase des Münchner Mobilitätsclusters MCube. Der Cluster verfolgt das Ziel, die Metropolregion München zur weltweiten Vorreiterin für nachhaltige und transformative Mobilitätsinnovationen zu machen.
Innovationsplattform Bayern: Bayern als Vorreiter für Schlüsseltechnologien

Zentrale innovationspolitische Fragen für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Bayern: Darin berät seit Ende 2024 die Innovationsplattform Bayern das Bayerische Wirtschaftsministerium. Das Netzwerk greift dafür auf die Expertise aus renommierten Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Start-ups und Verbänden zurück und entwickelt Handlungsempfehlungen. Welche Innovations- und Technologieansätze künftig die Agenda bestimmen werden und in welchen Bereichen sie sich anwenden lassen – das steht im Zentrum des Projekts.
Bayern kann durch die gezielte Stärkung des NewSpace-Sektors bei der Entwicklung von Schlüsseltechnologien eine internationale Vorreiterrolle einnehmen, die dem gesamten Wirtschaftsstandort zugutekommen wird.
Jan Wörner, acatech Präsident und Vorsitzender des Steuerkreises
Den Anfang macht das Thema Raumfahrt, wobei die Perspektiven über den unmittelbaren technischen Raumfahrtbereich hinaus reichen. Im Sinne von NewSpace wendet sich das Projekt den Mehrwerten zu, die durch ein Zusammenwachsen klassischer Industriezweige wie Automobil- oder Energiewirtschaft für die bayerische Wirtschaft zu erschließen sind. Denn die Nutzung der Raumfahrt als Infrastruktur kann für fast alle Lebensbereiche und globale Herausforderungen – von Klimawandel über Energie bis zu Gesundheit – einen Beitrag leisten. Interdisziplinär und branchenübergreifend eingesetzt, lassen sich dadurch die Landwirtschaft optimieren, autonomes Fahren umsetzen und der Umwelt- und Katastrophenschutz unterstützen. Die Innovationsplattform Bayern wird vom Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie gefördert.








