Globale Herausforderungen betreffen alle Nationen gleichermaßen. Was also könnte sinnvoller sein, als sie gemeinsam anzugehen und zu lösen? acatech bringt die Stimme der Technikwissenschaften auch in Europa und weltweit ein. Dazu unterhält die Akademie strategische Partnerschaften, fördert den Austausch über Länder- und Fachgrenzen hinweg und ist Mitglied im europäischen und internationalen Dachverbund der technikwissenschaftlichen Akademien. acatech möchte wissenschaftliche Erkenntnisse frühzeitig in politische Entscheidungsprozesse auf europäischer und globaler Ebene einbringen.

Europäische Politikberatung

Euro-CASE

acatech ist Mitglied des europäischen Dachverbunds Euro-CASE (European Council of Academies of Applied Sciences, Technologies and Engineering). Dort wirken 22 technikwissenschaftliche Akademien mit insgesamt 6.000 Expertinnen und Experten zusammen. Vorsitzende ist die frühere Präsidentin der Akademie der Technikwissenschaften in Schweden, Tuula Teeri. acatech Präsident Jan Wörner ist Vorstandsmitglied. Im Jahr 2024 implementierte der Verbund eine neue Kommunikationsstrategie und veröffentlichte eine Stellungnahme zum 10. EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation. Zudem leistete er Vorarbeiten zum Thema kritische Rohstoffe.

Die Euro-CASE-Jahreskonferenz im September 2024 stand unter dem Motto „European Engineering for Sustainability – New Solutions for Environmental, Urban and Health Systems“. Gastgeber der Jahreskonferenz in Budapest war die ungarische Akademie der Technikwissenschaften (Magyar Mérnök Akadémia).

Euro-CASE richtet gemeinsam mit der US National Academy of Engineering (NAE) das EU-US Frontiers of Engineering Symposium aus. Auf dem Symposium diskutieren junge Technikwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus Europa und den USA, wie innovative Technologien noch besser für die Gesellschaft nutzbar werden können. Das Jahr 2024 durchzogen Vorbereitungen des in 2025 anstehenden Symposium in Bordeaux zu Themen wie „Kryptosysteme“ und „Drahtlose Kommunikation der Zukunft“.

Euro-CASE Jahreskonferenz in Budapest am 23. September 2024, © Bekkerfilms

SAPEA – Science Advice for Policy by European Academies

Wie können wissenschaftliche Erkenntnisse auf europäischer Ebene stärker und früher in politische Entscheidungen einfließen? Dies beleuchtet das Akademienprojekt SAPEA – Science Advice for Policy by European Academies. Dabei sind die mehr als 110 repräsentierten Akademien Teil des wissenschaftlichen Beratungsmechanismus der Europäischen Kommission (Scientific Advice Mechanism – SAM). Ihre Fragen richten die EU-Kommissarinnen und -Kommissare unmittelbar an eine Gruppe wissenschaftlicher Chefberaterinnen und -berater. Die Akademien dienen in diesem Prozess quasi als Wissenssammler: Sie tragen das zur Verfügung stehende Wissen zusammen und erarbeiten evidenzbasierte Optionen für politisches Handeln – interdisziplinär, unabhängig und auf dem besten Stand der Wissenschaft. Die SAPEA-Evidenzberichte bilden das wissenschaftliche Fundament der Stellungnahmen der Gruppe der wissenschaftlichen Chefberaterinnen und -berater an die EU-Kommission. Das SAPEA-Projekt wird durch Horizon Europe gefördert und wurde von 2016 bis Ende 2024 von acatech koordiniert.

Übergabe des SAPEA- Evidenzberichts „AI in Science“ in Brüssel am 15. April.2024. V. l. n. r.; Nicole Grobert (Vorsitzende der Gruppe der wissenschaftlichen Chefberaterinnen und -berater), Margrethe Vestager (Exekutiv-Vizepräsidentin der EU-Kommission), Iliana Ivanova (EU-Kommissarin für Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend), Anna Fabijańska (Ko-Vorsitzende der SAPEA-Arbeitsgruppe zum Thema „AI in Science“) und Andrea Emilio Rizzoli (Ko-Vorsitzender der SAPEA-Arbeitsgruppe), © European Union, 2024

2024 erschien der SAPEA-Evidenzbericht „Successful and timely uptake of artificial intelligence in science in the EU“, den Exekutiv-Vizepräsidentin Margrethe Vestager beauftragt hatte. Gemeinsam mit einer Stellungnahme der Gruppe der wissenschaftlichen Chefberaterinnen und -berater unterstützen die Empfehlungen die Gesamtstrategie der Europäischen Kommission für KI in Forschung und Innovation. Darüber hinaus veröffentlichte SAPEA im Auftrag von EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides einen Evidenzbericht zu „One Health“ sowie einen weiteren zum Thema „Solar radiation modification“ im Auftrag des Vizepräsidenten der EU-Kommission Frans Timmermans.


In einer Podcast-Serie informiert SAPEA über aktuelle Wissenschaftsthemen und Politikberatungsformate  – über 100 Folgen sind bereits aufgezeichnet. Unter den interviewten Gästen befanden sich unter anderem die acatech Mitglieder Ottmar Edenhofer, Vorsitzender des European Scientific Advisory Board on Climate Change, sowie Barbara Prainsack, Vorsitzende der European Group on Ethics and New Technologies.

acatech Standort in Brüssel

Das Brüsseler Büro von acatech entwickelte sich 2024 zu einem Zentrum des Wissensaustauschs: Am 20. Juni kamen dort deutsche Forschungsattachés zusammen. acatech Präsident Jan Wörner moderierte eine Diskussion über die Dynamik der EU und die zentrale Rolle Deutschlands. Dabei betonte er die Bedeutung strategischer Souveränität, Resilienz und Nachhaltigkeit in den kommenden Jahren. Der Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern von Bund, Ländern und Forschungsorganisationen beleuchtete unter anderem Dual-Use-Fragen, Rahmenbedingungen für die Nachfolge des Programms Horizont Europa sowie Kompetenzen und Bildung.


Weltweite Kooperationen

Alleine kann man schnell gehen, aber nur gemeinsam kommt man weit.

Dieses afrikanische Sprichwort verdeutlicht, welche Stärke Zusammenarbeit in einer vernetzten Welt erzeugen kann. Auch 2024 hat acatech globale Partnerschaften gestärkt und den innovationspolitischen Austausch über Länder- und Fachgrenzen hinweg gefördert.

acatech engagiert sich im Akademienverbund CAETS

CAETS – der International Council of Academies of Engineering and Technological Sciences ist der globale Zusammenschluss von 31 technikwissenschaftlichen Akademien. Seit 2005 ist acatech Mitglied dieses Netzwerks, in dem rund 8.000 Expertinnen und Experten Lösungen für globale Herausforderungen entwickeln, evidenzbasierte Grundlagen für politische Entscheidungen schaffen und Technikakzeptanz sowie Ingenieurausbildung fördern. Die Akademien arbeiten in thematischen Gruppen wie Energie, Diversität, Bildung, Kommunikation und Nachhaltigkeit. Die finnische Akademie der Technikwissenschaften war Gastgeberin der CAETS-Jahresveranstaltung 2024, auf der „Carbon Neutral Technologies and Society“ im Mittelpunkt standen. Über 150 Expertinnen und Experten aus 26 Ländern kamen in Helsinki zusammen. Die CAETS-Arbeitsgruppe Energie, zu der auch acatech Mitglieder Ulrich Wagner und Frank Behrendt gehören, präsentierte einen ersten Berichtsentwurf, der im Oktober 2024 publiziert wurde.

Am 1. Januar 2026 übernimmt acatech turnusgemäß die CAETS-Präsidentschaft. Während dieser Zeit wird acatech die strategische Ausrichtung des Netzwerks steuern und die Jahresveranstaltung organisieren. Diese findet vom 14. bis 17. September 2026 in München statt und wird unter dem Motto „Earth Observation for Monitoring, Comprehension, and Change“ stehen. Erste Details dazu stellte acatech bereits 2024 auf dem CAETS Council Meeting vor.

Die Mitglieder des CAETS-Council, © CAETS

acatech kooperiert mit Schwesterakademien

acatech pflegt ein umfangreiches Netzwerk an Partnerschaften mit Schwesterakademien und weiteren Organisationen weltweit. Im Jahr 2024 lag ein besonderer Fokus auf der Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Technikwissenschaftsakademien in Japan, China, Schweiz und Australien.  

Japanische Akademie der Technikwissenschaften
Gemeinsam mit der Japanischen Akademie der Technikwissenschaften (EAJ), der Alexander von Humboldt-Stiftung, der VolkswagenStiftung sowie der DAAD-Außenstelle Tokyo zielt acatech auf die Bildung von Forschenden-Netzwerken und die Entwicklung von Führungspersönlichkeiten durch den Austausch junger Forschender zwischen Japan und Deutschland. Die Kooperationspartner unterstützen dazu das Japanisch-Deutsches Frontiers of Engineering Symposium (JAGFOE). Das Symposium wird von exzellenten Nachwuchskräften organisiert. Diese wurden 2024 im Rahmen eines umfassenden Auswahlverfahrens bestimmt. Vom 26. bis 28. November 2025 werden die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Japan zusammenkommen.

Erklärung der Partner zur Organisation des Japanisch-Deutschen Frontiers of Engineering Symposium (JAGFOE) in 2025, v. l. n. r. N. Kottmann (VolkswagenStiftung), U. Glotzbach (acatech), G. Schütte (VolkswagenStiftung), Y. Anzai (EAJ), A. Karpenstein (DAAD Außenstelle Tokyo), Y. Harayama (EAJ), H. Nagano (EAJ), © EAJ

Chinesische Akademie der Technikwissenschaften
Der neunte Deutsch-Chinesische Workshop „Industrial Metaverse“ fand im November 2024 in München statt. Partner der Veranstaltung sind der MÜNCHNER KREIS und die Chinese Academy of Engineering. Der Workshop unterstrich die Bedeutung des binationalen Austauschs, den acatech bereits seit 2012 mit der CAE pflegt. Der Workshop spannte den Bogen von technologischen Möglichkeiten über ethische Herausforderungen bis hin zu konkreten Anwendungen – und zeigte die transformative Kraft internationaler Zusammenarbeit und Vernetzung.

Teilnehmende des Workshops „Industrial Metaverse“ in München, © acatech

Diskussion zu zentralen Aspekten des „Industrial Metaverse“: Weiming Shen, Jan Wörner, Christina Dienhart, Michael Lechner (v. l. n. r.), © acatech

Besuch SAP Labs Munich Campus, © acatech

Schweizerische Akademie der Technikwissenschaften
Beispielhaft ist die Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Akademie der Technikwissenschaften (SATW) im Jahr 2024. Der Präsident der Schweizerischen Akademie engagiert sich weiterhin im acatech Impulskreis Europäisches/Internationales. Regelmäßigen und intensiv ist der Austausch mit schweizerischen Kolleginnen und Kollegen zum Thema Foresight. acatech hat wichtige Anregungen aus diesem Austausch in die Weiterentwicklung der eigenen Themenfindung integriert. Die Akademiepräsidenten Jan Wörner (acatech) und Benoît Dubuis (SATW) unterstrichen mit der gemeinsamen Gestaltung des SATW-Jahreskongresses am 13. Mai 2024 in Lausanne die hervorragende Zusammenarbeit der beiden Akademien.

Jan Wörner auf dem SATW-Jahreskongress, © Mark Henley/SATW

Australische Akademie der Technikwissenschaften
acatech pflegt enge Beziehungen zur australischen Akademie der Technikwissenschaften (ATSE). Beide Akademien sind Mitglieder des internationalen Akademienverbunds CAETS. Bei regelmäßigen Treffen standen vor allem Bildungsthemen im Mittelpunkt. Besonders fruchtbar waren Gespräche mit der Präsidentin Katherine Woodthorpe: Wie können beide Akademien voneinander lernen – insbesondere was für die Vorbereitung der CAETS-Jahreskonferenzen in den Jahren 2025 und 2026 sowie die daran angeschlossenen CAETS Präsidentschaften?

Zukunft gemeinsam gestalten

Impulskreis Europäisches/Internationales
Wie kann acatech sich in der Welt künftig noch stärker einbringen? Diese Frage erörterten die Teilnehmenden des Impulskreises Europäisches/Internationales auf seiner Frühjahrssitzung 2024 unter der Leitung von Jan Wörner. Welche Kooperationspartner bieten sich an, welche Themen sind relevant? Zahlreiche Ideen, beispielsweise die Durchführung eines deutsch-chinesischen Workshops oder die Etablierung eines jungen Netzwerks, setzt der acatech bereits um.

Globale Herausforderungen gemeinsam bewältigen
Weltweit arbeiten zahlreiche Institutionen, Unternehmen und Stakeholder an ähnlichen Zukunftsfragen. Daher ist es sinnvoll, sich auszutauschen, abzugleichen, zu hinterfragen und voneinander zu lernen. So etwa im deutsch-französischen Innovationsdialog, zu dem der französische Botschafter François Delattre und Dominic Kurtaz, Managing Director EUROCENTRAL von Dassault Systèmes am 21. Februar 2024 in die französische Botschaft in Berlin einluden. Unter dem Motto „Infrastruktur der Zukunft“ diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Die Förderung von MINT-Fächern stand beim Innovation Day am 6. Juni 2024 auf dem Programm, der vom wissenschaftlichen Koordinator des Netzwerks argentinischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie dem acatech Mitglied Andrés Lasagni initiiert wurde. Gastgeber war der Botschafter der Argentinischen Republik in Deutschland, Fernando Brun.

Der Austausch zu Fakten rund um das Thema Industrie 4.0, das Hinterfragen und das Voneinander-Lernen standen auch beim Treffen zwischen Henning Kagermann, Vorsitzender des acatech Kuratoriums, und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der Provinz Jiangxi, China am 24. Juni 2024 in Berlin, im Fokus.

Jan Wörner und Wan Gang, Vorsitzender der Chinesischen Vereinigung für Wissenschaft und Technologie (CAST), betonten bei ihrem Treffen am 11. September 2024 in Berlin die Notwendigkeit, die Zusammenarbeit  bei technologischen Lösungen für die Energie- und Mobilitätswende zu intensivieren. Wie beispielsweise lässt sich das gemeinsame Ziel der Klimaneutralität durch Innovationen und internationale Kooperationen erreichen? Zudem hoben sie die Bedeutung des Wissensaustauschs hervor, um Fortschritte in Dekarbonisierung und Nachhaltigkeit zu erzielen.

Jan Wörner referiert beim deutsch-französischen Innovationsdialog zur Infrastruktur der Zukunft. © Ambassade de France en Allemagne/M. Ulrich

Katharina Hölzle fasst die wichtigsten Ergebnisse des deutsch-französischen Innovationsdialogs zusammen. © Ambassade de France en Allemagne/M. Ulrich

Jan Wörner diskutierte gemeinsam mit (v. l. n. r.) Andres Lasagni, Verónica Oelsner und Simon Kapitza über Möglichkeiten der Förderung von MINT-Fächern. © acatech

Henning Kagermann empfängt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Provinz Jiangxi. © acatech

Jan Wörner empfängt Wan Gang, den Vorsitzenden von CAST. © acatech

Jan Wörner empfängt Wan Gang und Delegation. © acatech

Science and Technology in Society forum
acatech Präsident Jan Wörner, acatech Mitglied und Vorstandsvorsitzender MÜNCHNER KREIS Michael Dowling sowie acatech Mitglied Dieter Kranzlmüller engagierten sich auch 2024 auf dem Science and Technology in Society forum vom 6. bis 8. Oktober 2024 in Japan, Kyoto. Michael Dowling hob in seiner Session „Countering Disinformation in the Digital Age“ die Rolle von KI, Medienkompetenz und globaler Zusammenarbeit im Kampf gegen Desinformation hervor. Auf dem 13. Meeting der Präsidenten technikwissenschaftlicher Akademien unterstrich Jan Wörner die Bedeutung, KI als Kernbestandteil in die Ingenieurausbildung zu integrieren. Darüber unterzeichnete acatech auf dem Forum,  eine Absichtserklärung für das Japanisch-Deutsche Frontiers of Engineering Symposium (JAGFOE) im November 2025 in Japan.

Michael Dowling referiert in der Session „Countering Disinformation in the Digital Age”. © acatech